Wir sagen, dass wir die Wahrheit wollen.                     Wenn wir sie bekommen, gefällt sie uns nicht.

Tantra

Tantra ist die Kunst und die Wissenschaft der Befreiung deiner selbst. Für alles, wo es in dir einen Mangel gibt, für all deine Sehnsüchte, die noch unerfüllt sind, für alles was dich auf deinem spirituellen Weg behindert – egal worum es sich handelt – für alles gibt es Techniken und Rituale, die dir bei der Erfüllung, Auflösung und Befreiung helfen.


Als Tantra in den Westen gelangt ist, müssen Menschen eine besondere Sehnsucht nach Familie, Liebe und Beziehung gehabt haben. Sie lernten also Methoden, wie man guten Sex haben und die Beziehung verbessern kann. Diese Methoden sind jedoch nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen Spektrum des Tantra, aber sie wurden weiterhin als Tantra oder Neotantra bezeichnet.

Tantra an sich ist ein Sanskrit-Wort und bedeutet übersetzt einfach nur "System". Es ist System, durch das du Erleuchtung erlangen kannst, zu Gott findest, zum Wissen darüber, wer du bist. Es ist ein System der Vollendung aller Aspekte des Lebens.

Es gibt viele Traditionen, aber alles ist Tantra, auch wenn jeder seine spezielle Ausrichtung anders nennt, alles gehört dazu: ob Yoga, ob Mantren, ob spezielle Meditationen, Energieübertragungen, Feuerrituale, sexuelle Techniken usw. Ein Tantra-Lehrer oder eine Tantra -Lehrerin unterstützt jeden individuell mit den jeweils passenden Methoden.

Vollendung bedeutet, dass du nichts mehr brauchst. Du kannst immer noch etwas haben, aber du sehnst dich nicht mehr danach. Es ist dir egal, ob du es hast oder nicht hast. Wenn alles an Bedeutung verliert und dies dein dauerhafter Zustand ist, dann bist du vervollkommnet, also erleuchtet.

Solange du noch Wünsche hast oder sorgenvoll daran denkst, wie du dies und das noch bekommen oder etwas beeinflussen kannst, solange ist Erleuchtung noch weit entfernt. Im Sanskrit wird das Purnatwa genannt, was übersetzt Vollendung, Vervollkommnung, Abschluss bedeutet (engl. "completion").

Im Tantra geht es um die Erfüllung von Wünschen. Es geht darum, alles zu vervollständigen und abzuschließen. Wenn du deine Wünsche einfach loslassen kannst, ist es am besten. Aber sobald du versuchst, mit deinem Willen und vom Verstand her auf etwas zu verzichten, wird es irgendwann zu dir zurückkommen. Und wenn es zurückkommt, dann ist es am besten, du lebst es vollständig aus, erfüllst den Wunsch, so dass er nicht mehr wiederkehrt, und gehst weiter.

Loslassen bedeutet nicht, einen Beschluss zu fassen, etwas nicht mehr zu leben. Ich habe z.B. einen Mann getroffen, der mir erzählte, dass er seinen Tabakkonsum eingestellt hat. Aber während der drei Stunden mit mir hat er mindestens 300 Mal an Tabak gedacht. Das ist kein Loslassen.

In der Tradition Indiens wird die Erfüllung von Wünschen nicht als von der Spiritualität abgetrennter materieller Teil des Lebens gesehen. Er ist integraler Bestandteil der Entwicklung.  Spiritualität bedeutet die Vollendung in allen Aspekten des Lebens. Deshalb wurden so viele verschiedene Rituale zur Unterstützung bei allen möglichen Problemen geschaffen und auch heute noch immer weiter entwickelt. Jeder Lehrer oder Meister forscht daran und beobachtet ganz genau den Erfolg und verändert entsprechend Details.

In der  tantrischen Kosmologie wird das gesamte Universum von zwei fundamentalen Kräften geschaffen, durchdrungen und erhalten, die unzerstörbar miteinander verbunden sind.  Diese Kräfte oder universellen Aspekte werden als das göttlich Männliche (Shiva) und das göttlich Weibliche (Shakti) bezeichnet. In jedem Mann gibt  es eine innere Frau und in jeder Frau gibt es einen inneren Mann. Eine Frau besteht aus 40 Prozent männlicher und 60 Prozent weiblicher Energie und ein Mann aus 40 Prozent weiblicher und 60 Prozent männlicher Energie.